Zukunftsmedizin beim ASCO für das NSCLC
Zielgerichtete Therapien und Checkpoint-Inhibitoren, wie der PD-L1-Inhibitor Tecentriq (Atezolizumab) haben sich in der Pneumoonkologie als Standard etabliert und zeigen die Vielfältigkeit der heutigen onkologischen Behandlung.
Die bei der diesjährigen ASCO-Jahrestagung vorgestellten PRO-Daten der IMpower110 zeigen einen positiven Einfluss von Tecentriq auf den Allgemeinzustand der Patienten im Vergleich zur Standardchemotherapie bei PD-L1-selektionierten Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC). (1)
Mit Tiragolumab befindet sich ein neuer aussichtsreicher Checkpoint-Inhibitor in der Forschungspipeline. Der TIGIT-Antikörper zeigte in der Phase-II-Studie CITYSCAPE in Kombination mit Tecentriq für die First-Line-Behandlung des NSCLCs eine Reduktion des Progressionsrisikos um 67 % bei Patienten mit hoher PD-L1-Expression (TPS ≥ 50 %). (2)
Die internationale, randomisierte und doppelblinde Phase-II-Studie CITYSCAPE untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit der Wirkstoffkombination aus Tecentriq und Tiragolumab in der First-Line-Behandlung von 135 Patienten mit NSCLC im Vergleich zur Monotherapie mit Tecentriq bei PD-L1-selektierten Patienten. (2)Tiragolumab ist eine neuartige Krebsimmuntherapie, die an TIGIT bindet, ein Checkpoint-Protein, das auf aktivierten T-Zellen und NK-Zellen bei verschiedenen Krebsarten, einschließlich NSCLC, vorhanden ist. (3-6)Durch den Einsatz der doppelten Signalblockade von TIGIT und PD-L1 wird eine Verbesserung der Gesamtansprechraten (ORR) postuliert. In der auf dem ASCO präsentierten primären Analyse der Phase-II-Studie wurde dieser Ansatz nun bestätigt. (2)
Die Kombination aus beiden Checkpoint-Inhibitoren erreichte alle ko-primären Endpunkte in der ITT-Population: Die prüfärztlich beurteilte ORR sowie das progressionsfreie Überleben (PFS) zeigen sich der Monotherapie überlegen. (2)Die ORR war von 16,2 % auf 31,3 % verbessert. Gleichzeitig konnte eine Reduktion des Progressionsrisikos um 43 % beobachtet werden (mPFS = 5,4 Monate vs. 3,6 Monate; HR = 0,57; 95 %-KI: 0,37 – 0,90). Der positive Effekt auf PFS und ORR war auch nach sechs monatigem Follow-Up anhaltend. (2)
Patienten mit hoher PD-L1-Expression profitieren besonders von der Kombination
Besonders positiv wirkte sich die Behandlung mit beiden Wirkstoffen auf Patienten mit hoher PD-L1-Expression (TPS ≥ 50 %) aus. Eine explorative Analyse zeigte eine klinisch signifikante Verbesserung der ORR von 55,2 % verglichen zu 17,2 %. Gleichzeitig konnte das Progressionsrisiko um 67 % reduziert werden; zum Zeitpunkt der Analyse war das mPFS in der Kombinations-Population noch nicht erreicht (mPFS = nicht erreicht vs. 3,9 Monate; HR = 0,33; 95 %-KI: 0,15 – 0,72). (2)
Gute Verträglichkeit unter doppelter Immuncheckpoint-Inhibition
Die Daten zeigen zudem eine gute Verträglichkeit der Kombination aus Tecentriq und Tiragolumab: Das Sicherheitsprofil war mit dem der Monotherapie vergleichbar, es wurden keine neuen Sicherheitssignale beobachtet. (2)Neben der CITYSCAPE-Studie wird die Wirkstoffkombination bereits in zwei Phase-III-Studien für bestimmte Formen des Lungenkrebses getestet; die Tiragolumab-Monotherapie darüber hinaus ebenfalls an weiteren soliden Tumoren und hämatologischen Krebserkrankungen.
PRO-Daten der IMpower110 belegen gute Wirksamkeit von Tecentriq gegenüber Standardchemotherapie
Neben dem zukunftsweisenden Kombinationsansatz ist auch der Einsatz von Tecentriq als Monotherapie für die First-Line-Behandlung von PD-L1-selektierten Patienten mit metastasiertem NSCLC sehr vielversprechend: Die auf dem ESMO 2019 veröffentlichten Daten der IMpower-110 Studie zeigten die überlegene Wirksamkeit von Tecentriq bei TC3- oder IC3-Wildtyp (WT;EGFR/ALK-negativ) gegenüber der Standardchemotherapie. (7)Die Studie erreichte ihren primären Endpunkt mit einem statistisch signifikanten OS-Nutzen. Das Mortalitätsrisiko war um 41 % reduziert (HR: 0,59; 95 %-KI: 0,40 - 0,89). (7)Die auf dem ASCO vorgestellten PRO-Daten der IMpower110 unterstreichen die Verträglichkeit der Tecentriq-Monotherapie gegenüber der Standardchemotherapie. (1)
Bereits unmittelbar nach Beginn der Behandlung berichteten die Studienteilnehmer von einer Verbesserung von Husten und Brustschmerzen. Auch die Werte für Müdigkeit und Übelkeit bzw. Erbrechen verbesserten sich numerisch sofort. Es kam zu keinem Zeitpunkt während der Behandlung zu einer Verschlechterung der mit Lungenkrebs assoziierten Symptome, was für die Patienten einen Zugewinn an Lebensqualität bedeutet. Diese Symptomlinderung und -erhaltung hielten bis zu 48 Wochen an. (1)
Referenzen
De Marinis F et al., J Clin Oncol 2020; 38 (Suppl. Abstract 9594)
Rodriguez-Abreu D et al., J Clin Oncol 2020; 38 (Suppl. Abstract 9503)
Johnston RJ et al., Cancer Cell. 2014; 26(6): 923-937
Yu X et al., Nat Immunol. 2009; 10(1): 48-57
Stanietsky N et al., Proc Natl Acad Sci U S A. 2009; 106(42): 17858-17863
Kurtulus S et al., J Clin Invest. 2015; 125(11): 4053-4062
Spigel DR et al., Ann Oncol 2019; 30 (Suppl.5): v851-v934
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