Deutscher Krebskongress 2020
Im Rahmen des 34. Deutschen Krebskongresses (DKK) in Berlin vorgestellte Daten unterstreichen die zunehmende Bedeutung personalisierter Therapiekonzepte beim Brustkrebs. Ein Beispiel ist die Zulassung von Tecentriq®[blacktriangle] (Atezolizumab) als erste Krebsimmuntherapie für das metastasierte Triple-negative Mammakarzinom (mTNBC) im August 2019. Unter der Therapie mit Tecentriq konnte das mediane Gesamtüberleben von Patienten mit positiver PD-L1 Expression auf Immunzellen auf ≥ 1% der Tumorfläche in der Zulassungsstudie IMpassion130 um 7,0 Monate verlängert werden*. Anhand von Biomarkern und unter Berücksichtigung des individuellen Risikos ist es heute möglich hoch wirksame, zielgerichtete Therapien anzubieten. Die aktuelle Zulassungserweiterung von Kadcyla®(Trastuzumab Emtansin) für die post-neoadjuvante Behandlung von Patienten deren neoadjuvante Taxan-haltige und HER2-gerichtete Therapie zu keiner pathologischen Komplettremission (pCR) führte, erweitert so wesentlich die Therapiesequenz beim frühen HER2-positiven Mammakarzinom. Mit der doppelten Antikörperblockade Perjeta®(Pertuzumab)/Herceptin®(Trastuzumab) steht beim frühen HER2-positiven Mammakarzinom darüber hinaus eine wirksame adjuvante Therapieoption für Patienten mit hohem Rezidivrisiko zur Verfügung, deren klinischer Nutzen nun nach 6 Jahren erneut bestätigt wurde.
Krebsimmuntherapie: Meilenstein in der Behandlung des mTNBC
Bis zur Zulassung von Tecentriq standen zur Behandlung des mTNBCs die Chemotherapie und in der First-Line die Kombination aus Chemotherapie und Avastin®(Bevacizumab) als Standard zur Verfügung. (1)Die Daten aus der zweiten Interimsanalyse der Zulassungsstudie IMpassion130 zeigen, dass die Hinzunahme von Tecentriq zur Chemotherapie mit nab-Paclitaxel das mediane Gesamtüberleben (OS) bei mTNBC-Patienten mit positiver PD-L1 Expression auf Immunzellen auf ≥ 1% der Tumorfläche klinisch relevant um 7,0 Monate verlängerte (OS: 25,0 vs. 18,0 Monate im Vergleichsarm)*. 10% der Patienten erzielten sogar eine Komplettremission unter Tecentriq/nab-Paclitaxel. (2,3)
Die IMpassion130-Studie zeigte, dass nur PD-L1 IC-positive Patienten von einer Therapie mit Tecentriq profitieren. Daher ist es notwendig diejenigen Patienten, die von einer Therapie profitieren können mit einem geeigneten und validierten Test gezielt zu identifizieren. Ein enger Austausch zwischen behandelndem Arzt und Pathologen ist hierfür nötig, da die Testung in Bezug auf den verwendeten Assay sowie das Scoring von anderen Indikationen abweichen kann. Zudem ist es essenziell abzustimmen, welche Informationen für die Anforderung der Testung benötigt werden und in welcher Form die Ergebnisse mitgeteilt werden, damit der behandelnde Therapeut die für den Patienten wirksamste Therapie wählen kann. (2)
Das neue Wirkprinzip der Krebsimmuntherapie erfordert eine Anpassung des Nebenwirkungsmanagements. So können immunvermittelte Nebenwirkungen, wie z. B. Pneumonitis, Kolitis oder Hautausschläge auftreten. Werden die Nebenwirkungen frühzeitig erkannt, sind sie gut mit z. B. Kortikosteroiden zu behandeln.
Kadcyla in der Post-Neoadjuvanz: Neue Therapiesequenz beim frühen HER2-positiven Mammakarzinom
Seit Dezember 2019 ist Kadcyla für die post-neoadjuvante Behandlung von Patienten mit frühem HER2-positiven Mammakarzinom, deren neoadjuvante Taxan-haltige und HER2-gerichtete Therapie zu keiner pCR führte, zugelassen. Die Zulassung erfolgte auf Basis der Daten der KATHERINE-Studie: Kadcyla verbesserte die 3-Jahres-Rate des invasiv-krankheitsfreien Überlebens (iDFS) gegenüber Herceptin von 77,0% auf 88,3%. Damit reduzierte sich das Rezidiv- bzw. Sterberisiko um 50% (HR: 0,50; 95%-KI: 0,39 – 0,64; p < 0,001). (4)Die Risikoreduktion erfolgte unabhängig vom Hormonrezeptor- und Nodal-Status sowie der neoadjuvanten Therapie und damit auch unabhängig vom alleinigen Einsatz von Herceptin oder einer Kombination aus Herceptin und Perjeta.
Die neue Zulassung für Kadcyla führt zu einer wichtigen Erweiterung der Therapiesequenz beim frühen HER2-positiven Mammakarzinom. Das Ergebnis der neoadjuvanten Therapie hat einen erheblichen Einfluss auf die Prognose der Patienten und sollte daher bei der weiteren Therapieentscheidung berücksichtigt werden. Patienten ohne hohes Rezidivrisiko, deren neoadjuvante Therapie eine pCR erzielte, erhalten Herceptin auf 18 Zyklen komplettiert. (5,6)Für Patienten mit hohem Rezidivrisiko, bei denen die neoadjuvante Therapie zu einer pCR geführt hat, ist die Komplettierung der doppelten Antikörperblockade auf 18 Zyklen mit Perjeta und Herceptin die Therapie der Wahl. (5,7)Der neue post-neoadjuvante Therapiestandard bei Patienten, deren neoadjuvante Taxan-haltige und HER2-gerichtete Therapie zu keiner pCR führte, ist Kadcyla über 14 Zyklen. (5,8)Durch diese Erweiterung der Therapiesequenz kann die Behandlung der Patienten nach der Operation besser individualisiert und damit optimiert werden.
Perjeta: APHINITY bestätigt erneut Wirksamkeitsvorteil der doppelten Antikörperblockade in der Adjuvanz
Für Patienten mit hohem Rezidivrisiko (nodal-positive oder Hormonrezeptor-negative Erkrankung) steht mit Perjeta in Kombination mit Herceptin und Chemotherapie seit 2018 eine effektive Therapieoption für die Adjuvanz zur Verfügung, mit der das Risiko für ein Rezidiv oder Tod um nahezu 25% reduziert werden kann. Die jüngst vorgestellten Daten der 6-Jahres-Analyse aus der zulassungsrelevanten Studie APHINITY bestätigen erneut den Wirksamkeitsvorteil des Perjeta-Regimes: Das Risiko für ein Rezidiv oder Tod reduzierte sich in der Gesamtpopulation unter der Hinzuahme von Perjeta nach einem medianen Follow-up von 74,1 Monaten (28,7 Monate länger als bei der Primäranalyse) gegenüber Placebo um 24% (HR: 0,76; 95%-KI: 0,64 – 0,91). (9,10)
Die Ergebnisse der 6-Jahres-Analyse von APHINITY sind konsistent mit der Primäranalyse nach 3 Jahren. Patienten mit Lymphknotenbefall profitierten weiterhin deutlich: In diesem Hochrisiko-Kollektiv wurde das Risiko für ein Rezidiv oder Tod durch die Hinzunahme von Perjeta um 28% gesenkt (HR: 0,72; 95%-KI: 0,59 – 0,87). Die iDFS-Rate lag nach 6 Jahren bei 87,9% im Perjeta-Arm vs. 83,4% im Placebo-Arm (Delta: 4,5%). (9) In der längeren Nachbeobachtungszeit zeigte sich der Behandlungseffekt auch bei Hormonrezeptor-negativen Patienten, die ebenfalls vergleichbar mit der Primäranalyse durch die Hinzunahme von Perjeta profitierten (HR: 0,83; 95%-KI: 0,63 – 1,10). Die 6-Jahres-iDFS-Raten in dieser Subgruppe betrugen 89,5% unter Perjeta vs. 87,0% unter Placebo, was einer absoluten Risikoreduktion von 2,5% entspricht. (9)
* Die IMpassion130-Studie hat den ko-primären Endpunkt einer signifikanten Verbesserung des mOS in der ITT-Population in der Interimsanalyse nicht erreicht. Das mOS in der PD-L1 IC-positiven Studienpopulation konnte daher formal nicht getestet werden.
Fachinformation Tecentriq®840mg, Stand September 2019
Schmid P et al., N Engl J Med 2018; 379: 2108-2121
Schmid P et al., Lancet Oncol 2020; 21(1): 44-59
von Minckwitz G et al., NEJM 2019; 380: 617-628
AGO Kommission Mamma; Diagnostik und Therapie von Patientinnen mit primärem und metastasiertem Brustkrebs;
Empfehlungen 2019.
Fachinformation Herceptin®, Stand Juli 2019
Fachinformation Perjeta®, Stand März 2019
Fachinformation Kadcyla®, Stand Dezember 2019
Piccart M et al., SABCS 2019 (Abstract GS1-04), oral presentation
von Minckwitz G et al., NEJM 2017; 377: 122-131
[blacktriangle] Das Arzneimittel Tecentriq unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Auch Patienten können dabei helfen, indem Sie jede auftretende Nebenwirkung melden.
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