Bei der Behandlung von frühem Brustkrebs ist es das oberste Ziel der Therapie, die Heilung der Patient:innen zu erreichen.Diese Chance auf Heilung wird insbesondere durch neoadjuvante Therapiestrategien getragen, die sich in den letzten Jahren für das frühe HER2-positive (HER2+) und triple-negative Mammakarzinom (TNBC) stark etabliert haben. Entscheidend dabei ist das Erreichen einer pathologischen Komplettremission (pCR), die aufgrund ihrer Korrelation mit dem ereignisfreien Überleben (EFS) und Gesamtüberleben (OS) unbedingt anzustreben ist [1]. Der hohe Stellenwert der neoadjuvanten Systemtherapie und die Relevanz der pCR als Marker wurden auf dem diesjährigen Deutschen Krebskongress (DKK) in Berlin diskutiert.* Wichtige Aspekte dabei: die Aussicht auf eine verbesserte Prognose für Patient:innen mit frühem HER2+ Brustkrebs durch die neoadjuvante Therapie und, auf Basis dieser, die Möglichkeit, die Behandlungsstrategie in der Post-Neoadjuvanz bei Bedarf zu individualisieren.

Der neoadjuvante Therapieansatz ist mit vielen Vorteilen für Patient:innen verknüpft: Neben der Senkung der operativen Morbidität, einer erhöhten Chance auf Brusterhalt und einer verbesserten Lebensqualität ist vor allem die Möglichkeit der frühen Beurteilung des Ansprechens  entscheidend. So können neben der Wirksamkeit auch resistente Tumoranteile frühzeitig identifiziert werden. Dadurch besteht die Option einer individuellen Behandlungsstrategie in der Post-Neoadjuvanz und somit eine erhöhte Chance auf Heilung: „Jede Patientin, die nachweislich noch nicht metastasiert ist, hat eine Aussicht auf Heilung“, erklärte Dr. Mattea Reinisch, stellvertretende Direktorin der Evang. Kliniken Essen-Mitte gGmbH, Oberärztin, Leiterin des zertifizierten Brustkrebszentrums. „Entscheidend für mich als Therapeutin ist der Weg zur Heilung – dieser ist abhängig von der Patientin und dem Karzinom.“

Individualisierung in der Post-Neoadjuvanz verbessert Heilungschancen

Langfristige Tumorfreiheit kann insbesondere beim frühen HER2+ Mammakarzinom durch individualisierte Therapieregime mit zielgerichteten anti-HER2-gerichteten Wirkstoffen erreicht werden. Dabei gilt die pCR als wichtiger Marker zur Planung des weiteren Behandlungsverlaufes in der Post-Neoadjuvanz. Bei Patient:innen mit hohem Rezidivrisiko und Indikation zur Chemotherapie ist eine neoadjuvante Therapie mit Perjeta® (Pertuzumab) und Herceptin® (Trastuzumab) in Kombination mit einer Chemotherapie aktueller Standard [1,2]. Bei Erreichen einer pCR wird die Behandlung bei diesen Patient:innen (nodal-positive oder Hormonrezeptor-negative Erkrankung) post-neoadjuvant mit der doppelten Antikörperblockade auf ein Jahr komplettiert [1,2]. Besteht ein geringes Rezidivrisiko, wird weiter mit Herceptin behandelt [1,3]. Für Patient:innen, die zuvor gemäß Zulassung eine neoadjuvante Taxan-basierte und anti-HER2-gerichtete Therapie erhielten und darunter keine pCR erreichen konnten, ist das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Kadcyla® (Trastuzumab Emtansin) indiziert [1,4]. Mit Kadcyla steht für diese Patient:innen eine wichtige Therapieoption zur Verfügung: Es verbesserte in der für die post-neoadjuvante Zulassung relevanten Studie KATHERINE die invasive Disease-Free Survival (iDFS)-Rate nach drei Jahren gegenüber Herceptin von 77 % auf 88 % [5]. Das relative Rezidiv- und Sterberisiko wurde etwa halbiert [5]. Zudem profitieren Patient:innen mit einer non-pCR in der Post-Neoadjuvanz von Kadcyla unabhängig von der Größe des Resttumors und unabhängig vom Hormonrezeptor-Status [6].

Zur kontinuierlichen Weiterentwicklung neoadjuvanter Therapiekonzepte beim frühen HER2+ Mammakarzinom laufen aktuell mehrere Studien, darunter die Phase-III-Studie Astefania sowie die Phase-II-Studien CompassHER2 pCR und DECRESCENDO. Oberstes Ziel der Forschung: Mehr Therapiemöglichkeiten für non-pCR schaffen.

Bedeutung der pCR beim frühen TNBC

Auch beim frühen TNBC können neue Behandlungsoptionen die pCR-Raten bei Patient:innen und die Chance auf Heilung erhöhen. So konnte eine Metaanalyse von 52 Studien einen Zusammenhang von pCR und EFS zeigen, der am stärksten beim TNBC war (HR 0,18; 95 %-KI: 0,10 – 0,31) [7]. Ein weiterer Vorteil der pCR liegt in der Folgetherapie: Durch den Einsatz von Krebsimmuntherapien bleibt den Patient:innen unter Umständen eine post-neoadjuvante Chemotherapie erspart – unabhängig vom PD-L1-Status kann eine signifikante und klinisch relevante Steigerung der pCR erzielt werden [1,8,9]. Derzeit wird der Einsatz der Krebsimmuntherapie mit Tecentriq® (Atezolizumab) in diesem Setting in den Studien NeoMono, IMpassion031 und GeparDouze weiter untersucht [8,10,11].

* Symposium of Roche Pharma AG on 15.11.2022 at the German Cancer Congress 2022 in Berlin: "Opportunities for the patient with breast cancer - components of modern therapy concepts".

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[1] AGO Kommission Mamma: Diagnostik und Therapie früher und fortgeschrittener Mammakarzinome, Empfehlungen 2022, www.ago-online.de

[2] Fachinformation Perjeta®, aktueller Stand

[3] Fachinformation Herceptin®, aktueller Stand

[4] Fachinformation Kadcyla®, aktueller Stand

[5] von Minckwitz G et al., N Engl J Med 2019, 380: 617–628

[6] Burstein HJ et al., Ann Oncol. 2021 Jul 6;S0923-7534(21)02104-9

[7] Spring L et al., Clin Cancer Res. 2020; 26(12): 2838–2848

[8] Mittendorf EA et al., Lancet 2020; 396(10257): 1009–1100

[9] Schmid P et al., N Engl J Med 2020; 382:810–821

[10] Reiser I et al.,  neoMono - NCT04770272, https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04770272

[11] Loibl S et al., Annals of Oncology 2019; vol 30, suppl 3, III38

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Neoadjuvante Therapie beim frühen Mammakarzinom: Chance auf Heilung nutzen

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