Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) 2022

Neoadjuvante Therapiestrategien spielen in der Behandlung des Mammakarzinoms eine wichtige Rolle, da sie in vielen Fällen zur Verbesserung der Prognose beitragen können. Dabei ermöglichen personalisierte Therapieansätze und die Krebsimmuntherapie immer differenziertere Behandlungsoptionen. Doch von welchen aktuellen Therapiestandards profitieren betroffene Frauen besonders und warum? Und welche neuen Entwicklungen im neoadjuvanten Setting gibt es? Diese Fragen erörterten Expert:innen beim Symposium der Roche Pharma AG auf der 41. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) in Stuttgart. Betont wurde dabei der hohe Stellenwert einer neoadjuvanten Systemtherapie beim frühen HER2-positiven Mammakarzinom. Darüber hinaus wurde das Potenzial von oralen selektiven Estrogenrezeptor Degrader (SERD) für die Therapie des Hormonrezeptor-positiven (HR+) Mammakarzinoms diskutiert.

Beim frühen HER2-positiven Mammakarzinom sind die Vorteile der neoadjuvanten Therapie heute unumstritten. Durch diese Therapiestrategie resultiere nicht nur ein erheblicher Zeitgewinn, bspw. für die genetische Testung, Patient:innen haben darüber hinaus auch die Chance auf eine post-neoadjuvante Individualisierung der Behandlung, wie Prof. Tjoung-Won Park-Simon, Hannover, verdeutlichte. Dies helfe, die operative Morbidität zu senken, die Chance auf Brusterhaltung zu erhöhen, die Notwendigkeit einer Axilladissektion zu verringern – und somit die Lebensqualität für die Patient:innen zu verbessern.

pCR als prognostischer Marker – Chance auf Individualisierung in der Post-Neoadjuvanz

Bei Patient:innen mit hohem Rezidivrisiko und Indikation zur Chemotherapie sei eine neoadjuvante Therapie mit Perjeta® (Pertuzumab) und Herceptin® (Trastuzumab) in Kombination mit einer Chemotherapie aktueller Standard, erklärte Park-Simon (1–4). Das wichtigste Ziel der neoadjuvanten Therapie stellt dabei das Erreichen einer pathologischen Komplettremission (pCR) dar, die mit einem besseren Überleben assoziiert ist (1). Bei Erreichen einer pCR wird die Behandlung bei diesen Patient:innen (nodal-positive und/oder Hormonrezeptor-negative Erkrankung) post-neoadjuvant mit der doppelten Antikörperblockade auf ein Jahr komplettiert (1,2,5). pCR-Patient:innen ohne hohes Rezidivrisiko werden hingegen weiter mit Herceptin behandelt (1,6).

Bei Patient:innen, deren neoadjuvante Taxan-haltige und anti-HER2-gerichtete Therapie zu keiner pCR führt, sei das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Kadcyla® (Trastuzumab Emtansin) aktueller Standard – auch bei kleinen Resttumoren und unabhängig vom Hormonrezeptor-Status (1,7,8). Mit Kadcyla steht für diese Patient:innen eine wichtige Therapieoption zur Verfügung: In der für die post-neoadjuvante Zulassung relevanten Studie KATHERINE reduzierte das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat im Vergleich zur Therapie mit Herceptin das relative Rezidiv- bzw. Sterberisiko um die Hälfte (8).

Krebsimmuntherapie auch in der neoadjuvanten Behandlung des frühen TNBC relevant

Auch für das TNBC rückt die neoadjuvante Therapie in den Fokus: Nachdem sich die Krebsimmuntherapie bereits im metastasierten Setting etabliert hat, wurde die neoadjuvante Therapie mit Pembrolizumab im April 2022 beim frühen TNBC zugelassen (9,10). Der Einsatz der Krebsimmuntherapie in diesem Setting werde darüber hinaus mit Atezolizumab in den Studien NeoMono oder IMpassion031 weiter untersucht und die ersten Ergebnisse seien vielversprechend, berichtete Park-Simon (11,12). So zeigen die Daten der Phase-III-Studie IMpassion031 eine Steigerung der pCR-Rate: Der Anteil der Patient:innen, die unter Atezolizumab plus Chemotherapie (nab-Paclitaxel; gefolgt von Doxorubicin und Cyclophosphamid) eine pCR erreichten, war gegenüber alleiniger Chemotherapie signifikant erhöht (57,7 % vs. 41,1 % unter Placebo; p = 0,044) (12). Die Hinzunahme der Krebsimmuntherapie erzielte in dieser Studie auch mit einer platinfreien Chemotherapie einen Vorteil für TNBC-Patient:innen, so Park-Simon. Dies ermögliche Betroffenen nicht nur eine Verbesserung der Heilungschancen, sondern auch einen größeren therapeutischen Freiraum für die Wahl der Chemotherapie.

Frühes und metastasiertes HR+ Mammakarzinom: Fortschritte in der Therapie durch orale SERD

Neue vielversprechende Daten wurden auch für die endokrine Behandlung des HR+ Mammakarzinoms vorgestellt. Im Fokus standen dabei orale SERD, die derzeit in zahlreichen klinischen Studien untersucht werden (13–31). SERD inhibieren das estrogenabhängige Tumorwachstum durch Blockade und Abbau des Estrogenrezeptors. Aktuell wird der SERD Giredestrant sowohl beim frühen als auch beim metastasierten Mammakarzinom im Vergleich zum endokrinen Therapiestandard untersucht. In präklinischen Experimenten scheine er ein sehr wirksamer oraler SERD mit Best-in-Class-Potenzial zu sein, berichtete Prof. Dr. Peter A. Fasching, Erlangen (18–20). Bislang ist nur ein Vertreter dieser Wirkstoffgruppe zur intramuskulären Anwendung zugelassen (32). Oral verabreichte SERD bieten hier die Chance, eine Lücke in der Behandlung von HR+ Patient:innen zu schließen, so Fasching.

[1] AGO Kommission Mamma: Diagnostik und Therapie von Patientinnen mit primärem und metastasiertem Brustkrebs, Empfehlungen 2022, www.ago-online.de

[2] Fachinformation Perjeta®, aktueller Stand

[3] Gianni L et al., Lancet Oncol 2012; 13: 25–32

[4] Schneeweiss et al., Ann Oncol 2013; 24(9)

[5] von Minckwitz G et al., N Eng J Med 2017; 377: 122–131

[6] Fachinformation Herceptin®, aktueller Stand

[7] Fachinformation Kadcyla®, aktueller Stand

[8] von Minckwitz G et al., N Engl J Med 2019: 617–628

[9] Fachinformation Tecentriq®, aktueller Stand

[10] Schmid P et al., N Engl J Med 2020; 382: 810–821

[11] Reiser I et. A, neoMono - NCT04770272, https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04770272

[12] Mittendorf EA et al., Lancet 2020; 396(10257): 1009–1100

[13] Jhaveri et al., Clinical Cancer Research 2021; 27 (21): 5760–5770

[14] Maglakelidze et al J Clin Oncol 2021; 39:1063–1063

[15] Aftimos P et al., Cancer Research 81: PS12-04-PS12-04, 2021

[16] Menari Group, Radius Health https://ir.radiuspharm.com/news-releases/news-release-details/menarini-group-and-radius-health-announce-positive-phase-3: accessed, 2021

[17] Bardia A et al., J Clin Oncol 2021; 39: 1360–1370

[18] Hurvitz SA et al., Ann Oncol 2021; 32 (suppl_5): 1283–1346

[19] Liang J et al., J Med Chem 2021; 26;64(16): 11841–11856

[20] Metcalfe C et al., Cancer Res 2019; 79 (4 Supplement): P5-04-07

[21] Chandarlapaty S et al., J Clin Oncol 2021; 39: 15_suppl, 1058–1058

[22] Campone et al., J Clin Oncol. 2020; 38(suppl 15). Abstract TPS1108

[23] Shomali M et al., Mol Cancer Ther. 2021; 20(2): 250–262

[24] Scott JS et al., J Med Chem 2020; 63(23): 14530–14559

[25] Bhagwat SV et al., Cancer Res 2021; 81 (13 Supplement): 1236

[26] Lim E et al., Cancer Res 2021; 81 (4 Supplement): OT‑09-03

[27] Jhaveri KL et al., J Clin Oncol 2021; 39, no. 15_suppl, 1050–1050

[28] Samatar AA et al., Cancer Res 2020; 80 (16_Supplement): 4373

[29] Osborne C et al., Cancer Res 2021; 81 (4 Supplement): PS11–26

[30] Snyder LB et al., AACR 2021, oral presentation

[31] Hamilton EP et al., 2020 doi: 10.1158/1538-7445. SABCS20-PD8-06

[32] Fachinformation Faslodex®, aktueller Stand


Eindeutige Kennzeichnung von biologischen Arzneimitteln in der medizinischen Kommunikation

Für die Patientensicherheit ist es wichtig, biologische Arzneimittel durch ihren Handelsnamen klar zu kennzeichnen. Nur so kann gewährleistet werden, dass mögliche Nebenwirkungen eindeutig einem bestimmten Produkt zugeordnet und zurückverfolgt werden können. Analog europäischer behördlicher Vorgaben für die Dokumentation des Handelsnamens in der Patientenakte nennt Roche in Publikationen, Texten und Presseinformationen deshalb neben dem internationalen Freinamen auch den Handelsnamen.

Alle erwähnten Markennamen sind rechtlich geschützt.

Über Roche in Deutschland

Roche beschäftigt in Deutschland rund 17.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Pharma und Diagnostik. Das Unternehmen ist an den drei großen Standorten in Grenzach-Wyhlen (Roche Pharma AG), Mannheim (Roche Diagnostics GmbH, Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Roche Diabetes Care GmbH sowie Roche Diabetes Care Deutschland GmbH) und Penzberg (Biotechnologie-Kompetenzzentrum, Roche Diagnostics GmbH) vertreten. Die Schwerpunkte erstrecken sich über die gesamte Wertschöpfungskette der beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics: Von Forschung und Entwicklung über Produktion, Logistik bis hin zu Marketing und Vertrieb, wobei jeder Standort neben dem Deutschland-Geschäft auch globale Aufgaben wahrnimmt. Roche bekennt sich klar zu den deutschen Standorten und hat in den letzten fünf Jahren in diese rund 2,6 Milliarden Euro investiert. Weitere Informationen zu Roche in Deutschland finden Sie unter www.roche.de.

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Meilensteine in der Therapie des Mammakarzinoms – Status quo und Ausblick