Update zum EAN-Kongress
Aktuelle 6 bzw. 6,5-Jahresdaten der offenen Verlängerungsphasen (OLE) der OPERA-Studien bzw. der ORATORIO-Studie zeigen, dass das Risiko einer Behinderungsprogression sowohl bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS; d.h. RRMS und aktive SPMS) als auch mit primär progredienter MS (PPMS) bei frühem Beginn der Therapie mit OCREVUS (Ocrelizumab) um etwa ein Drittel reduziert ist. (1,2)Aufgrund der COVID-19 Pandemie waren die Daten Ende Mai online im Rahmen einer virtuellen Präsentation veröffentlicht worden.
Beim EAN 2020 vorgestellte aktualisierte Auswertungen zur Sicherheit von OCREVUS belegen ein konsistent positives Nutzen-Risiko-Profil und wurden zum Kongress der European Academy of Neurology (EAN) 2020 online präsentiert. (3)
Seit Ende Mai 2020 ist die Zulassung von OCREVUS um eine verkürzte Infusionsdauer (2 statt 3,5 Stunden) für die Erhaltungsdosis bei RMS und PPMS erweitert. (4)Die verkürzte Infusionsdauer kann Patienten entlasten und Infusionskapazitäten in den Behandlungszentren vergrößern.
„Der klinische Verlauf der MS kann darüber hinwegtäuschen, dass die MS eine Erkrankung ist, die kontinuierlich fortschreitet – mit von Beginn an von Inflammation getriebener Neurodegeneration“, erläuterte PD Dr. Mathias Buttmann, Bad Mergentheim, bei einem virtuellen post-EAN-Pressegespräch von Roche. „Vieles spricht dafür, die MS als monophasische Erkrankung mit verschiedenen Ausprägungen zu betrachten, bei der in der Frühphase fokal inflammatorische Prozesse dominieren. Eine frühzeitige anti-inflammatorische Intervention ist sehr wahrscheinlich entscheidend für die spätere Prognose der Betroffenen.“ Den positiven Effekt eines frühzeitigen Therapiebeginns auf die Langzeitprognose verdeutlichen neue Langzeitanalysen zu OCREVUS (1,2)bei Patienten mit schubförmiger MS (RMS, d.h. RRMS (a)und aktive SPMS (b)) und frühercprimär progredienter MS (PPMS).
Weniger RMS-Patienten benötigen eine Gehhilfe, weniger PPMS-Patienten einen Rollstuhl
RMS-Patienten mit einer durchgängigen OCREVUS-Behandlung über 6 Jahre wiesen ein um 33 % reduziertes Risiko für eine Behinderungsprogression (bestätigt über 48 Wochen; CDP48-EDSS) gegenüber Patienten auf, die von IFN beta-1a s.c. auf OCREVUS wechselten. Dies ergaben die Langzeitdaten aus OPERA I und OPERA II und deren offenen Verlängerungsphase (OLE). (1)Nach insgesamt 6 Jahren hatten 12,6 % der kontinuierlich behandelten Patienten eine CDP48dentwickelt. Bei den Patienten, die in den ersten zwei Jahren IFN beta-1a s.c. erhalten hatten, waren es dagegen 18,1 % (p = 0,006) (Abb.).(1)
Das Risiko für die Notwendigkeit einer Gehhilfe (≥ 48 Wochen bestätigter EDSS ≥ 6) war um 49 % verringert (Hazard Ratio [HR]: 0,51; 95 %-KI 0,32–0,82; p = 0,004): In der kontinuierlich mit OCREVUS behandelten Gruppe benötigten 4,3 % nach 6 Jahren eine Gehhilfe im Vergleich zu 7,2 % in der Gruppe, die erst nach zwei Jahren von Interferon (IFN) beta-1a s.c. auf OCREVUS wechselte (p = 0,026). (1)
Ähnlich positive Effekte zeigten sich für PPMS-Patienten, die von Anfang an mit OCREVUS behandelt wurden, in der ORATORIO-OLE über insgesamt 6,5 Jahre: Mit einem Anteil von 65,4 % erreichten deutlich weniger Patienten eine cCDP48everglichen mit 76,3 % aus der Gruppe, die erst nach frühestens 120 Wochen von Placebo auf OCREVUS wechselte (p = 0,003). (2)Das Risiko für eine cCDP48 war hierbei um 28 % erniedrigt (HR: 0,72; 95 %-KI 0,60–0,87, p < 0,001). Das relative Risiko für die Rollstuhlpflicht (EDSS ≥ 7) verringerte sich um 43 % (HR: 0,57; 95 %-KI 0,37–0,89, p = 0,013). (2)
Stabiles Nutzen-Risikoprofil im Langzeitverlauf
Weltweit wurden bis April 2020 im Rahmen klinischer Studien und in der Praxis mehr als 160.000 MS-Patienten mit OCREVUS behandelt (> 200.000 Patientenjahre [PJ] Exposition). (3)Die zum EAN 2020 präsentierten Studiendaten bei insgesamt 5.051 Patienten mit RMS oder PPMS (entsprechend einer Expositionszeit von 16.615 PJ; Stand August 2019) bestätigten auch nach 6,5 Jahren Nachbeobachtungszeit erneut das günstige Nutzen-Risikoprofil des Anti-CD20-Antikörpers. (3,f)
Verkürzte Infusionszeit bei gleicher Sicherheit
Auf Basis der Daten einer Subgruppenstudie der ENSEMBLE-Studie (ENSEMBLE PLUS) erfolgte Ende Mai 2020 die Zulassungserweiterung für eine auf 2 Stunden verkürzte Infusionsgabe von OCREVUS bei RMS und PPMS für die Erhaltungsdosis. Wenn bei den Patienten während der vorangegangenen Infusionen von OCREVUS keine schwere infusionsbedingte Reaktion (IRR) aufgetreten ist, können Folgedosen nun über eine kürzere Infusionszeit (2 Stunden) gegeben werden.3Die Studie ENSEMBLE PLUS bei RMS-Patienten konnte nachweisen, dass die Rate infusionsbedingter Reaktionen bei einer verkürzten Infusionsdauer von 2 Stunden (24,6 %) vergleichbar mit der bisherigen Dosisgabe über 3,5 Stunden (23,1 %) ist. (3)Beobachtete infusionsbedingte Reaktionen (IRRs) verliefen meist mild oder moderat mit einem schweren Verlauf in jedem Studienarm. Es traten keine lebensbedrohlichen, schwerwiegenden oder tödlichen infusionsbedingten Reaktionen auf. Bei allen Patienten konnte eine begonnene Infusion mit OCREVUS auch vollendet werden. Weiterhin wurden keine neuen Sicherheitssignale beobachtet.3
„Die Zulassungserweiterung auf eine um 1,5 Stunden verkürzte Infusionszeit für die Erhaltungsdosis verbessert die Anwendung* von OCREVUS für Menschen mit MS weiter und kann gleichzeitig die Kapazitäten in Kliniken und Praxen erhöhen. Für Patienten und Behandler kann damit der Therapiekomfort in der Langzeitbehandlung verbessert werden. Der Neurologe hat in der Erhaltungstherapie jetzt die Wahl“, kommentierte Dr. Buttmann. Gleichzeitig unterstreichen die aktuellen Langzeitdaten die Relevanz eines frühen Behandlungsbeginns mit OCREVUS für den Erhalt der langfristigen Mobilität der Patienten mit RMS und PPMS. (1,2)
Abbildung: Daten über 6 Jahre zur RMS-Patientenpopulation zeigen, dass ein früher Behandlungsbeginn mit einer langfristig verringerten Behinderungsprogression einhergeht.1
a RRMS (schubförmig remittierende Multiple Sklerose) mit aktiver Erkrankung, definiert durch klinischen Befund oder Bildgebung.
b SPMS (sekundär progrediente MS) = Verlaufsform, die aus einer schubförmig remittierenden MS (RRMS) hervorgeht, bei der die akut-entzündliche Aktivität in Form abgrenzbarer Schübe immer seltener wird oder ganz fehlt. Die neurodegenerativen ZNS-Veränderungen dominieren immer stärker und die Behinderung nimmt stetig zu. Wird die SPMS weiterhin von Schüben begleitet, spricht man von einer rSPMS (sekundär progrediente MS mit aufgesetzten Schüben).
c frühe primär progrediente Multiple Sklerose (PPMS), charakterisiert anhand der Krankheitsdauer und dem Grad der Behinderung, sowie mit Bildgebungsmerkmalen, die typisch für eine Entzündungsaktivität sind.
d CDP48 (bestätigte Behinderungsprogression nach 48 Wochen) = Veränderung im EDSS vs. Baseline um mindestens 1 Punkt bei EDSS < 5; um mindestens 0,5 Punkte bei EDSS ≥ 5,5
e cCDP48 = nach 48 Wochen bestätigte Composite-Behinderungsprogression vs. Baseline; EDSS-Zunahme oder Verschlechterung um ≥ 20 % im 9-Hole-Peg-Test (9-HPT) oder im Timed-25-Foot Walk-Test (T25FW)
f In die aktualisierte Sicherheitsanalyse wurden die Daten aller RMS- und PPMS-Patienten aus den Phase-II- und Phase-III-Studien sowie deren offenen Extensionsstudien wie auch den laufenden Phase-IIIb-Studien einbezogen, die bis August 2019 mindestens eine OCREVUS-Infusion erhalten haben. (3) Es konnten keine neuen Sicherheitssignale beobachtet werden.
*Die Initialdosis von 600 mg wird in Form von zwei getrennten intravenösen Infusionen gegeben; eine erste Infusion, gefolgt von einer zweiten Infusion, die zwei Wochen später gegeben wird.
Referenzen
Giovannoni G et al., AAN 2020; Präsentation S5.010
Wolinsky JS et al., ACTRIMS 2020; P072
Hauser SL et al., EAN 2020; EPR 2122
Fachinformation OCREVUS®; Stand April 2020
Hauser SL et al., N Engl J Med 2017; 376: 221–34
Montalban X et al., N Engl J Med 2017; 376: 209–20
Über OCREVUS
OCREVUS (Ocrelizumab) ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der selektiv gegen CD20-positive B-Zellen gerichtet ist. CD20-positive B-Zellen sind spezielle Immunzellen, die vermutlich wesentlich zur Schädigung der Myelinscheide (Isolationsstruktur von Nervenzellfortsätzen), der Axone (Nervenzellfortsätze) und der daraus resultierenden Behinderung bei Patienten mit MS beitragen. Wie präklinische Studien gezeigt haben, bindet OCREVUS an CD20-Oberflächenproteine, die auf bestimmten B-Zellen exprimiert werden, nicht jedoch auf Stammzellen oder Plasmazellen. Deshalb bleiben wichtige Funktionen des Immunsystems erhalten.
Das klinische Entwicklungsprogramm der Phase III für OCREVUS (ORCHESTRA) umfasste drei Studien: OPERA I, OPERA II und ORATORIO. OPERA I und OPERA II waren identisch aufgebaute, randomisierte, doppelblinde, multizentrische Doppelstudien, die die Wirksamkeit und Sicherheit von OCREVUS (600 mg, verabreicht durch intravenöse Infusion alle sechs Monate) im Vergleich zu Interferon beta-1a s.c. (44 µg durch subkutane Injektion dreimal pro Woche) bei 1.656 Personen mit schubförmiger MS bewertet haben. (5)ORATORIO war eine randomisierte, doppelblinde, multizentrische Phase-III-Studie, die die Wirksamkeit und Sicherheit von OCREVUS (600 mg intravenöse Infusion alle sechs Monate, aufgeteilt in zwei 300 mg Infusionen mit zwei Wochen Abstand) im Vergleich zu Placebo bei 732 Personen mit primär progredienter MS (PPMS) untersucht hat. (6)
OCREVUS wird biotechnologisch in den USA hergestellt – mit der Abfüllung des Medikaments für den globalen Markt erfolgt ein wesentlicher Produktionsschritt am Roche Standort Mannheim. OCREVUS ist aktuell in 90 Ländern in Nordamerika, Südamerika, Osteuropa, im Nahen Osten sowie in Australien, der Schweiz und seit Januar 2018 in der EU zugelassen.
[blacktriangle] Das Arzneimittel OCREVUS unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Auch Patienten können dabei helfen, indem Sie jede auftretende Nebenwirkung melden.
Bitte melden Sie Nebenwirkungen an die
Roche Pharma AG
oder
Langzeitdaten und die Zulassung der verkürzten Infusionsdauer bestätigen das stabile Sicherheitsprofil von OCREVUS®▼
Links zu Websites Dritter werden im Sinne des Servicegedankens angeboten. Der Herausgeber äußert keine Meinung über den Inhalt von Websites Dritter und lehnt ausdrücklich jegliche Verantwortung für Drittinformationen und deren Verwendung ab.