Grenzach-Wyhlen, 15. Dezember 2021
Proof of Concept des neuen Krebsimmuntherapeutikums Tiragolumab in Kombination mit Tecentriq (Atezolizumab)
CITYSCAPE-Studie zeigt hohen klinischen Nutzen hinsichtlich des Gesamtüberlebens (OS), des progressionsfreien Überlebens (PFS) und der objektiven Ansprechrate (ORR) beim fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC)1
Frühes kuratives NSCLC: Tecentriq als erste und einzige Krebsimmuntherapie mit positiven Phase-III-Ergebnissen im Vergleich zu Best Supportive Care (BSC) in der Adjuvanz2
Krebsimmuntherapien werden beim NSCLC inzwischen breit eingesetzt. Allerdings profitiert von diesen wirksamen und verträglichen Behandlungsansätzen bisher nur ein Teil der Patient:innen. Daher lassen die aktuellen Daten der internationalen, randomisierten und doppelblinden Phase-II-Studie CITYSCAPE aufhorchen: In der Studie wurde die Kombination des neuen Krebsimmuntherapeutikums Tiragolumab mit Tecentriq im Vergleich zu Placebo plus Tecentriq beim NSCLC (n = 135) untersucht.
In der Subgruppe der Patient:innen mit hoher PD-L1-Expression (n = 67; PD-L1-Expression auf mind. 50 % der Tumorzellen) war unter der Kombination von Tiragolumab mit Tecentriq nach einem Follow-up von mehr als 30 Monaten das mediane OS noch nicht erreicht (n = 29; 95 %-Konfidenzintervall[KI]: 30,3 Monate – n. e.). Nach zwei Jahren waren noch fast 80 % der Patient:innen am Leben.1 Das mediane PFS lag bei 16,6 Monaten (95 %-KI: 5,5 – 22,3 Monate), mehr als die Hälfte der Patient:innen (51 %) war auch nach einem Jahr weiterhin progressionsfrei. Bemerkenswert: Die ORR lag bei 69 %. Insgesamt belegen die Daten den hohen klinischen Nutzen hinsichtlich des mOS, mPFS und der ORR bei Patient:innen mit hoher PD-L1-Expression, die mit der Kombination behandelt wurden – bei im Allgemeinen guter Verträglichkeit.1
Phase-III-Studie SKYSCRAPER-01 wird weitere Daten bringen
Zudem deuten die aktuellen Ergebnisse darauf hin, dass sich die unterschiedlichen Mechanismen der beiden Wirkstoffe synergistisch ergänzen, wodurch der Anteil der Patient:innen, die von einer Krebsimmuntherapie profitieren können, merklich erhöht würde. Bereits im Januar 2021 hatte die Food and Drug Administration (FDA) auf Basis früherer Daten der CITYSCAPE-Studie dem Anti-TIGIT-Antikörper den Status einer „Breakthrough Therapy“ in der Behandlung des NSCLC erteilt. Anders als der PD-L1-Inhibitor Tecentriq bindet Tiragolumab an das Protein TIGIT, das sich auf aktivierten T-Zellen und NK-Zellen bei verschiedenen Krebsarten befindet.
Die neuen positiven Daten dieser Proof-of-Concept-Studie stimmen optimistisch und lassen auf die Ergebnisse der aktuell laufenden internationalen, randomisierten und doppelblinden Phase-III-Studie SKYSCRAPER-01 hoffen. Darin werden aktuell die Wirksamkeit und Sicherheit der Kombination aus
Tiragolumab und Tecentriq vs. Placebo mit Tecentriq bei über 600 Patient:innen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC und hoher PD-L1-Expression in der First-Line untersucht.3 Primäre Endpunkte sind hierbei das PFS und OS. Neben verschiedenen Studien für bestimmte Formen des Lungenkrebses wird die Kombinationstherapie darüber hinaus auch bei weiteren soliden Tumoren und hämatologischen Krebserkrankungen geprüft.
Krebsimmuntherapie mit positiven Daten auch beim frühen kurativen NSCLC
Auch beim frühen, kurativen Stadium des NSCLC ist der Bedarf an neuen Therapieoptionen hoch – bis zu 60 % der Patient:innen erleiden ein Rezidiv. Bisher steht nur die Chemotherapie als adjuvante Behandlungsoption zu Verfügung.2 Kürzlich im Rahmen des ESMO vorgestellte Daten der globalen, multizentrischen, offenen, randomisierten Phase-III-Studie IMpower010 konnten erstmals Vorteile einer Krebsimmuntherapie auch in der adjuvanten Behandlung des frühen NSCLC zeigen.2,4 Das mediane krankheitsfreie Überleben (DFS) bei NSCLC-Patient:innen im Stadium II–IIIA, deren Tumoren PD-L1 ≥ 1 % exprimieren, war im Tecentriq-Arm noch nicht erreicht (n. e. vs. 35,3 Monaten unter BSC).2 Das Risiko eines Rezidivs oder Todes nach Operation und platinbasierter Chemotherapie reduzierte sich mit Tecentriq im Vergleich zu BSC um 34 % (n = 476; 95 %-KI: 0,50 – 0,88).2,4 Tecentriq verlängerte damit in der Studie im Vergleich zu BSC die krankheitsfreie Zeit und reduzierte das Risiko, dass die Erkrankung zurückkehrt.2
Referenzen
1 Cho BC et al., ESMO-IO 2021, Abstract #LBA2
2 Felip E et al., ESMO 2021, oral presentation
3 https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04294810
4 Wakelee HA et al., J Clin Oncol 2021; 39 (Suppl 15; Abstr 8500)
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