Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) 2023

  • Die finale Analyse der Studie IMpassion031 zeigte einen statistisch signifikanten Vorteil zu Gunsten von Tecentriq® (Atezolizumab) in der pathologischen Komplettremission (pCR) bei Patient:innen mit frühem triple-negativem Mammakarzinom (eTNBC) [1].

  • Der pCR-Benefit in der Neoadjuvanz unter Tecentriq in Kombination mit Chemotherapie setzt sich in positiven Trends der Langzeit-Endpunkte fort [1].

  • Realistische Chance auf Heilung beim frühen HER2+ Mammakarzinom durch eine individualisierte Behandlungsstrategie [2-8].

Das triple-negative Mammakarzinom ist bis heute durch eine ungünstige Prognose gekennzeichnet: Charakteristisch sind neben früheren und häufigeren Rezidiven, insbesondere auch bei jüngeren Patient:innen unter 40 Jahren, eine prognostisch ungünstigere Lokalisation von Metastasen im Vergleich zu non-TNBC-Tumoren. Während sich die Behandlungsoptionen des metastasierten TNBC durch Kombinationstherapien wie Tecentriq mit nab-Paclitaxel bereits erheblich verbessert haben, sind diese Therapien nun ebenfalls im kurativen Setting angekommen [1, 9]. Die beim Symposium der Roche Pharma AG auf der 42. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) in München besprochenen finalen Daten der IMpassion031-Studie geben einen Ausblick auf einen möglichen Einsatz von Tecentriq in der Neoadjuvanz. Die Daten zeigen bei TNBC-Patient:innen einen statistisch signifikant überlegenen Effekt auf die pCR in der Neoadjuvanz unter Tecentriq in Kombination mit Chemotherapie gegenüber Placebo und Chemotherapie, unabhängig vom PD-L1 Status.

Frühes TNBC: Neue Optionen in der Neoadjuvanz
Beim frühen TNBC komme der Neoadjuvanz eine entscheidende Bedeutung zu, erläuterte Prof. Cornelia Kolberg-Liedtke, Essen. In einer von ihr durchgeführten Untersuchung zeigte sich, dass TNBC-Patient:innen oft sehr gut auf eine neoadjuvante Therapie ansprechen und häufiger eine pCR erreichen im Vergleich zu non-TNBC-Tumoren. Patient:innen, die eine pCR erreichen weisen dabei eine sehr gute Prognose auf. Wird keine pCR erreicht und verbleiben Krebszellen im Körper, ist die Prognose ungleich schlechter, insbesondere in den ersten drei Jahren nach Therapie [10].

Verschiedene Studien untersuchen derzeit den Einsatz von Tecentriq beim frühen TNBC in der Neoadjuvanz und Adjuvanz. Die nun finalen Daten der IMpassion031 stützen den bereits in der Interimsanalyse gezeigten pCR-Vorteil. Dieser übersetzt sich in einen deutlich positiven Trend hinsichtlich der Langzeit-Endpunkte. So konnte ein Benefit beim ereignisfreien Überleben (EFS; HR: 0,76; 95 %-KI: 0,47 – 1,21) und beim krankheitsfreien Überleben (DFS; HR: 0,76; 95 %-KI: 0,44 – 1,30) unter Tecentriq mit Chemotherapie beobachtet werden. Beim Gesamtüberleben (OS; HR: 0,56; 95 %-KI: 0,30 – 1,04) verfehlte die Studie nur knapp die statistische Signifikanz, obwohl sie nicht dafür konzipiert war, für diesen sekundären Endpunkt eine statistische Signifikanz nachzuweisen. Die Kombination aus Krebsimmun- und Chemotherapie zeigt eine gute Verträglichkeit, sodass auch nach einem längeren Follow-up von drei Jahren keine neuen und therapielimitierenden Sicherheitssignale beobachtet wurden [1]. Mit besonderer Spannung werden zudem die Ergebnisse der GeparDouze-Studie erwartet, welche die neoadjuvante sowie adjuvante Anwendung von Tecentriq bei Patient:innen mit triple-negativem Brustkrebs untersucht.

Frühes HER2+ Mammakarzinom: Personalisierte Therapie als Schlüssel zum Erfolg
Beim frühen HER2+ Mammakarzinom besteht dank Individualisierung bereits heute eine realistische Chance auf Heilung. Grundlage ist eine taxanbasierte, HER2-gerichtete neoadjuvante Therapie mit Perjeta® (Pertuzumab) und Herceptin® (Trastuzumab), gefolgt von einer post-neoadjuvanten Therapie, die sich am Ergebnis des postoperativen Befunds – dem Erreichen beziehungsweise Nicht-Erreichen einer pCR – orientiert [11-13]. Die Möglichkeit zu einer individuellen Eskalation oder Deeskalation der Therapie sei dabei entscheidend, erläuterte Dr. med. Theresa Link, Dresden. Patient:innen von Beginn an auf eine lange Therapiedauer vorzubereiten sei darüber hinaus ein wichtiger Aspekt.

Für die post-neoadjuvante Therapie gilt dann folgendes Vorgehen: Für Patient:innen, die unter der neoadjuvanten Systemtherapie keine pCR erreichen, ist die Prognose besonders schlecht. Für sie ist die post-neoadjuvante Therapie mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Kadcyla® (Trastuzumab Emtansin) aktueller Standard [14]. Auch Patient:innen mit kleinen Resttumoren und/oder HR+-Erkrankung sollten mit Kadcyla behandelt werden. Die KATHERINE-Studie hat eine 50%-ige Risikoreduktion auf Rezidiv oder Tod im Vergleich zur Trastuzumab Monotherapie gezeigt. Ein Benefit dieser Therapieoption konnte für alle Subgruppen gezeigt werden [7]. Die Therapie wird von der AGO (Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie) mit einem „+“ empfohlen [13].

Bei Erreichen einer pCR wird die Behandlung bei Patient:innen mit nodal-positiver und/oder Hormonrezeptor-negativer Erkrankung post-neoadjuvant mit der doppelten Antikörperblockade auf ein Jahr komplettiert [2, 3, 6, 11-14]. pCR-Patient:innen ohne hohes Rezidivrisiko werden hingegen weiter mit Herceptin behandelt [2, 7, 12].

Alle erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt.

Eindeutige Kennzeichnung von biologischen Arzneimitteln in der medizinischen Kommunikation
Für die Patientensicherheit ist es wichtig, biologische Arzneimittel durch ihren Handelsnamen klar zu kennzeichnen. Nur so kann gewährleistet werden, dass mögliche Nebenwirkungen eindeutig einem bestimmten Produkt zugeordnet und zurückverfolgt werden können. Analog europäischer behördlicher Vorgaben für die Dokumentation des Handelsnamens in der Patientenakte nennt Roche in Publikationen, Texten und Presseinformationen deshalb neben dem internationalen
Freinamen auch den Handelsnamen.

Referenzen

[1] Barrios CH et al., ESMO Breast Cancer Congress 2023, 11.-13. Mai 2023, Berlin. Abstract LBA1

[2] Slamon D et al., SABCS 2015 (Abstract S5-04)

[3] Gianni L et al., Lancet Oncol 2012; 13: 25 – 32

[4] von Minckwitz G et al., N Engl J Med 2017; 377: 122 – 31

[5] Piccart M et al., J Clin Oncol 2021; 39: 1448 – 1457

[6] Loibl S, et al., ESMO Virtual Plenary July 2022

[7] von Minckwitz G et al., N Engl J Med 2019; 380: 617 – 628

[8] Tan AR et al., Lancet Oncol 2020; 22: 85 – 97

[9] Fachinformation Tecentriq®, aktueller Stand

[10] Liedtke et al., J Clin Oncol 2008 / republished (Kolberg-)Liedtke et al., J Clin Oncol 2023

[11] Fachinformation Perjeta®, aktueller Stand

[12] Fachinformation Herceptin®, aktueller Stand

[13] AGO Kommission Mamma: Diagnostik und Therapie von Patientinnen mit primärem und metastasiertem Brustkrebs, Empfehlungen 2023, www.ago-online.de

[14] Fachinformation Kadcyla®, aktueller Stand

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Heilung im Fokus: Interdisziplinäre Ansätze zur Behandlung des frühen Mammakarzinoms